Bauphysik, Augsburg, München

EnEV 2014

EnEV 2012-2013-2014-...

EnEV 2014....beschlossene Sache:

Die Novellierung der Energieeinsparverordnung wurde von der Bundesregierung am 16.10.2013 beschlossen. Sie tritt sechs Monate nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft. Dies wird nach derzeitigem Stand der 1. Mai 2014 sein.

Die Novellierung der Energieeinsparverordnung findet ihren eigentlichen Ursprung im Kyoto Protokoll von 1997 und dem damit verbundenen Ziel der Bundesregierung, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Inhaltliche Grundlage des aktuellen Referentenentwurfs ist die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (2010/31/EU).
Eigentlich schreibt die EU-Richtlinie ein Inkrafttreten der Landesregelung bis zum 09. Januar 2013 vor. Mit einiger Verzögerung wurde der Entwurf der Neufassung mit den Änderungen aus dem Beschluss des Bundesrats nun von der Bundesregierung beschlossen


Bei den langen Zeitspannen, von Beginn der Konzeptentwicklung bis zur Baufertigstellung, ist es wichtig sich über die Vorgaben und zeitlichen Fristen zu informieren. So kann rechtzeitig auf die geänderte Gesetzeslage und die damit verbundenen Förderkriterien reagiert werden, damit keine Umplanungen nötig werden, beziehungsweise Finanzierungslücken durch geänderte Förderbedingungen entstehen.

Zu Beginn der Diskussionen über die Überarbeitung der EnEV 2009 wurde von einer Anforderungssteigerung des Jahresprimärenergiebedarfs von 30 % ausgegangen. Diese wurde jetzt mit Verweis auf Wirtschaftlichkeitsstudien auf 25 % abgemildert und wird nun auch mit einem zeitlichen Aufschub vom 1. Januar 2016 an eingeführt. Mit Blick auf das Eigentumsrecht und der Gefahr eines Sanierungsstaus gilt diese Anforderungserhöhung nur für den Neubau.

Die zweite Anforderungsgröße, der zulässigen Wärmedurchgangskoeffizient, wird ebenfalls um ca 20% ab dem 01. Januar 2016 angehoben. 

Aus zwei mach eins… ergibt letztendlich drei. Als Nachweisverfahren sollte die DIN 4108 auch im Wohngebäude ganz von der DIN 18599 abgelöst werden. In der jetzigen Fassung der EnEV bleibt das Nachweisverfahren der DIN 4108 mit DIN 4701-10 für Wohngebäude gültig. Es wird sogar mit dem Modellgebäudeverfahren ein drittes „Nachweis“-verfahren eingeführt.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick*:

  • Verschärfung der Anforderungen an den Primärenergiebedarf von Neubauten ab 01. Januar 2016 um 25% 
  • Zusätzliche Bezugsgröße zu den Tabellenwerten als Grenzwert des Jahrestransmissionsverlustes wird das Ergebnis des Referenzgebäudes. 
    Ausführung des Referenzgebäudes und Tabellenwerte können dem Link unten in
    Anlage 1  (Wohngebäude) | Anlage 2 (Nichtwohngebäude) entnommen werden.
  • Keine Anhebung der Anforderungen an den Gebäudebestand bei Modernisierung von Außenbauteilen, mit einer Ausnahme: Außentüren dürfen bei Ersatz einen U-Wert von 1,9 nicht überschreiten.
  • Heizkessel die älter als 30 Jahre sind müssen von 2015 an unter bestimmten Voraussetzungen ausgetauscht werden.
  • Modellgebäudeverfahren. Zusätzliches vereinfachtes Nachweisverfahren für Wohngebäude(an enge Kriterien gebunden). Auch EnEV Easy genannt.
  • Verpflichtung der Bundesländer zu Stichprobenkontrollen der Energieausweise, der Einhaltung der EnEV-Neubauanforderungen und der Berichte über die Inspektion von Klimaanlagen.
  • Einige Änderungen zur Klarstellung und Einarbeitung von Auslegungsfragen.
  • Gekühlte Gebäude dürfen nur noch nach DIN 18599 nachgewiesen werden.
  • Stufenweise Senkung des Primärenergiefaktors für Strom, mit Einführung der EnEV 2,0 und ab 2016 auf 1,8.
  • Einführung einer zentralen Registrierstelle (vorl. DiBt) und Vergabe von Registriernummern.

  • Einführung der Pflicht zur Angabe energetischer Kennwerte (Endenergiebedarf pro Wohnfläche) in Immobilienanzeigen bei Verkauf und Vermietung.
  • Präzisierung zur Vorlagepflicht des Energieausweises gegenüber Käufern und Mietern sowie Einführung einer Pflicht zur Übergabe des Energieausweises an dieselben.
  • Ausweitung der Aushangpflichten von Energieausweisen in behördlich und nicht behördlich genutzten Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr. Grenze wird schrittweise über 500m² auf 250m² Nutzfläche ab 2016 gesenkt.
  • Neuskalierung des Bandtachos sowie Einführung von Energieeffizienzklassen im Energieausweis.


Die wichtigsten Änderungen der flankierenden Normen:

  • Die Vornorm DIN 18599 1-10:2011-12 bekommt durch die Einführung der EnEV 2014 die Gültigkeit.
  • Neues Referenzklima für den Standort Deutschland (Potsdam) DIN 4108-6.
  • Neue Anforderungsgröße für den sommerlichen Wärmeschutz DIN 4108-2. (Übertemperaturgradstunden)
  • Rechenwerte für neue Bauteile wurden in die DIN 4108-4 aufgenommen
  • Das Beiblatt 2 zur DIN 4108 wurde bis jetzt noch nicht überarbeitet, soll(te) aber überarbeitet werden, da Baustoffentwicklung und Dämmstandards sich seit 2006 deutlich weiter entwickelt haben.

Hinweis: Eine detaillierte Wärmebrückenberechnung schafft hier zum einen Abhilfe, zum anderen erreicht man dadurch meist deutlich bessere Werte, wodurch Erstellungskosten gesenkt werden können.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass im Neubau auf eine moderate Anforderungserhöhung und bei Sanierungsmaßnahmen auf Anreize durch den Ausbau und Aufstockung von Fördermaßnahmen gesetzt wird. In der Politik wird hier auch von einer Modernisierungsoffensive gesprochen.
Als Geltungsfrist der Novellierung der EnEV für neue Bauvorhaben gilt momentan der Tag der Bauantragsstellung. Gleichzeitig gilt es, falls dies Bestandteil der Finanzierung ist, auf die Änderungen der KfW-Darlehen zu achten. Eine möglichst frühe Bau- sowie KfW-Antragsstellung ist deswegen beim momentanen Stand sinnvoll, auch wenn die Anforderungen der EnEV 2014 bereits erfüllt werden.

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Stand: Oktober 2013